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Funktion der Harnwege

Nieren und Blase bilden gemeinsam mit dem Nierenbecken, den Harnleitern und der Harnröhre das Harnsystem. Bei Männern ist die Harnröhre unmittelbar im Bereich ihres Austritts aus der Blase ringförmig von der Prostata umgeben. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Niere, Blase und Prostata. Häufiges Wasserlassen oder Schmerzen beim Urinieren sind mögliche Symptome für verschiedene Erkrankungen des Harnsystems.

Blase und Harnröhre: Position und Aufbau

Die Harnblase – umgangssprachlich oft nur „Blase“ genannt – ist ein dehnbares Hohlorgan, in dem der Urin (auch als Harn bezeichnet) zwischengespeichert wird. Sie liegt auf dem Beckenboden auf und befindet sich direkt hinter der Schambeinfuge, bei Frauen vor der Vagina, bei Männern vor dem Mastdarm. Die Innenseite der Blase ist mit einer speziellen Schleimhaut (Urothel) ausgekleidet. Ihre Außenwand besteht aus glatter Muskulatur. Bei zunehmender Füllung dehnt sich die Harnblase aus und verändert dabei ihre Form. Durch die von den beiden Nieren kommenden Harnleiter gelangt der Urin in die Blase. Ein ventilartiger Verschluss sorgt dafür, dass kein Harn zurück Richtung Nieren fließt. Unten mündet die Blase in die Harnröhre. Durch diese wird der Urin ausgeschieden. Zwei Schließmuskel im Bereich der Harnröhrenmündung verhindern, dass es zu einem ungewollten Harnaustritt kommt.

Bei Männern ist die Harnröhre ca. 20 cm lang und führt durch den Penis. Bei Frauen ist sie mit 3–5 cm deutlich kürzer und mündet oberhalb des Scheidenausgangs. Aufgrund der kürzeren Harnröhre sowie ihrer Position können bei Frauen Keime aus dem Darmausgang leichter in die Blase gelangen. Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb Frauen öfter unter Blasenentzündungen leiden. Bei Männern entsteht diese wesentlich seltener und eher im fortgeschrittenen Alter aufgrund einer vergrößerten Prostata und einer damit verbundenen Blasenentleerungsstörung.

Funktion: Was passiert beim Urinieren?

Der in den Nieren produzierte Urin wird, wie bereits erwähnt, über die Harnleiter in die Blase geleitet und dort bis zur Entleerung über die Harnröhre gesammelt. Ab einem gewissen Füllungszustand der Blase entsteht Harndrang. Der Fachausdruck für „Urinieren“ lautet übrigens „Miktion“.

  • Bei zunehmender Füllung dehnt sich die Blase wie ein Ballon aus. Nerven in der Blasenwand melden ab einer gewissen Dehnung dem Gehirn, dass die Blase voll ist.
  • Dadurch wird Harndrang wahrgenommen – die betreffende Person wird nun eine willentliche Entleerung der Blase anstreben.
  • Beim Urinieren zieht sich die Muskulatur der Blasenwand (M. detrusor) zusammen, die Schließmuskeln (M. sphincter) entspannen und öffnen sich, damit der Urin abfließen kann. Unterstützt wird dieser Prozess durch ein Zusammenziehen der Bauch- und Beckenmuskulatur.
Wie viel Urin produzieren wir täglich?
  • Das gesamte Blut eines Menschen, das sind 5–6 Liter, fließt pro Tag ca. 300 Mal durch die Nieren. Somit filtern sie täglich rund 1.700 Liter Blut.
  • Daraus produzieren die Nieren pro Tag etwa 170 Liter Primärharn. Dieser wird in der Folge in Sekundärharn (Urin) umgewandelt.
  • Täglich fallen rund 1,7 Liter Sekundärharn im menschlichen Körper an.

Blasenschwäche: Kontrolle des Harndrangs und Inkontinenz

Um das Wasserlassen sowie das Anhalten des Urins gut kontrollieren zu können, spielen diverse Muskeln, Nervensignale und Hormone eine Rolle. Koordiniert werden diese Prozesse von Gehirn und Rückenmark. Kinder müssen diese willentliche Steuerung der Blasenentleerung erst lernen. Auch die Muskulatur im Beckenboden, welche die Blase stabilisiert, entwickelt sich im Kindesalter.

Bei Harninkontinenz kommt es zu ungewolltem Harnverlust. Dies ist ein häufiges urologisches Symptom, welches in erster Linie Frauen betrifft. Grundsätzlich werden zwei Formen unterschieden:

  • Dranginkontinenz: sehr plötzlich auftretenden Harndrang
  • Belastungsinkontinenz: ungewollter Harnverlust vor allem unter Belastung (Niesen, Lachen, Husten, Stufensteigen)

Nieren: Position und Aufbau

Jeweils rechts und links der Wirbelsäule, etwa auf Höhe der unteren Brustwirbel und der oberen Lendenwirbel, befinden sich unsere zwei Nieren. Bei einem erwachsenen Menschen sind sie ungefähr so groß wie eine Faust. Von der Form her erinnern sie an eine Bohne. 

Der äußere Teil der Niere wird als Nierenrinde bezeichnet. Hier befinden sich die so genannten Nephronen, die kleinste Funktionseinheit der Nieren. Diese arbeiten wie eine Art Filter: Sie sieben kleine Blutbestandteile wie Harnstoff, Zuckermoleküle, Wasser und Salze aus dem Blut heraus. Für größere Partikel, wie z.B. die weißen oder roten Blutkörperchen, ist die Nierenrinde jedoch undurchlässig. So wird in der Nierenrinde der sogenannte Primärharn gebildet – eine aus dem Blut herausgefilterte Flüssigkeit.

Innerhalb der Nierenrinde befindet sich das Nierenmark. Die Nierenkanälchen, die sich durch die Nierenrinde ziehen, vereinen sich zu „Sammelrohren“, die im Nierenmark münden. Hier wird dem Primärharn weiter Wasser entzogen. Das Nierenmark ist wie mehrere kleine Pyramiden aufgebaut, deren Spitzen zu den sogenannten Nierenkelchen führen. Diese Hohlräume nehmen den nun konzentrierten Harn auf und leiten ihn in das Nierenbecken weiter. Dieses dient als  „Auffangraum“ für den produzierten Harn. Von hier wird dieser dann über die Harnleiter zur Blase weitertransportiert und schlussendlich ausgeschieden. 

Funktion: Welche Aufgaben erfüllen die Nieren?

  • Der in den Nieren produzierte Urin ist ein wichtiger Bestandteil des Wasser- und Elektrolythaushalts. Die Nieren sorgen dafür, dass überschüssige Flüssigkeit oder Elektrolyte ausgeschieden werden. Weiters stimmen sie die Urinproduktion mit der jeweiligen Trinkmenge ab. So gleichen sie Unterschiede im Wasserhaushalt des Körpers aus.
  • Darüber hinaus sind die Nieren für die Ausleitung von Giftstoffen zuständig. Die Nieren sind sozusagen die „Kläranlage“ des Körpers: Sie filtern gifte Stoffe und andere Substanzen, die der Organismus nicht verwerten kann, aus dem Blut und sorgen dafür, dass diese mit dem Harn ausgeschieden werden.
  • Zudem spielen die Nieren eine Rolle im Hormonhaushalt. So produzieren sie unter anderem ein Hormon (Erythropoetin), das an der Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark beteiligt ist. Dies ist der Grund, warum Personen mit Nierenerkrankungen oft Blutarmut aufweisen und sich müde und energielos fühlen. Auch an der Herstellung eines Hormons, das für die Regulation des Blutdrucks benötigt wird, sind die Nieren beteiligt.

Hormonproduktion: Funktion von Nebennierenrinde und -mark

Auf jeder Niere sitzt oben eine Nebenniere. Diese ist ca. 3 cm lang, 1,5 cm breit und wiegt 5–15 g. Sie besteht aus der äußeren Nebennierenrinde und dem inneren Nebennierenmark. Sie dienen der Hormonproduktion, wobei Rinde und Mark unterschiedliche Hormone herstellen.

Welche Hormone werden im Nebennierenmark produziert?

  • Adrenalin und Noradrenalin: Diese Stresshormone dienten uns ursprünglich dazu, bei Gefahr zum Kampf oder zur Flucht gerüstet zu sein. Ihre Aufgaben sind daher beispielsweise die Erhöhung von Puls, Blutdruck und Blutzucker und damit die Bereitstellung von Energie für Gehirn und Muskeln sowie die Erweiterung der Bronchien. Ausgeschüttet werden Adrenalin und Noradrenalin bei körperlicher und seelischer Belastung.
  • Dopamin: Dopamin wird in geringerem Maße auch im Nebennierenmark produziert, die viel wesentlichere Rolle spielt es jedoch als Neurotransmitter (Botenstoff) im Gehirn. Es ist an der Regulation von Stimmung, Aufmerksamkeit, Schlaf, Lernen, motorischer Aktivität, sozialen Kontakten sowie an der Milchproduktion beteiligt.

Welche Hormone werden in der Nebennierenrinde hergestellt?

  • Aldosteron: Gemeinsam mit anderen Hormonen steuert es den Natrium-, Kalium- und Flüssigkeitshaushalt in den Nieren.
  • Cortisol: Dieses Stresshormon greift in zahlreiche Stoffwechselprozesse ein und reguliert unter anderem ebenfalls den Salz- und Wasserhaushalt in der Niere. Zudem wirkt es entzündungshemmend und erhöht den Blutzuckerspiegel. Seine Freisetzung wird durch Hirnzentren und die Hirnanhangdrüse gesteuert und – wie Adrenalin und Noradrenalin – bei körperlicher und psychischer Belastung gesteigert.
  • Androgene: Diese Sexualhormone werden im Körper in das Geschlechtshormon Testosteron umgewandelt. Nur eine geringe Menge an Androgenen wird in der Nebennierenrinde gebildet, der überwiegende Teil wird in den Hoden bzw. Eierstöcken produziert. Testosteron ist beim Mann für das Wachstum und die Funktion von Penis und Hodensack zuständig, spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion der Spermien, fördert den Muskelaufbau und die Körperbehaarung und steigert das sexuelle Verlangen sowie die Potenz. Bei Frauen ist die Konzentration der Androgene deutlich geringer, aber auch im weiblichen Körper erfüllen diese viele wichtige Aufgaben.

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Quellen:
Gesundheitsratgeber „Niere, Blase, Prostata verstehen“
Herausgeber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, 1070 Wien

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